Segelclub Aalen Württemberg e.V.

SCAW

Romantisches Konzert auf dem See

Kultur Die Stuttgarter Saloniker spielen Strauss, Flotow und Tschaikowski – währenddessen veranstalten die Zuhörer auf den neugestalteten Stufen am Bucher Stausee ein Picknick.

SABINE FREIMUTH


Rainau-Buch

Ein romantisches Klassik-Open-Air gaben die Stuttgarter Saloniker am Bucher Stausee. Der erst vor einigen Wochen eingeweihte barrierefreie Seezugang diente den über einhundert Gästen als Sitzgelegenheit und Picknickfläche. Dieses erste große Event zeigte, welche hervorragende Möglichkeiten die vorgenommenen Sanierungsmaßnahmen bieten.

Begleitet von einem Dutzend Segelbooten, die das Musikerfloß umrundeten, tuckerten die Musiker, gezogen vom Seeanfang zum Konzertpunkt. So gab es während der Überfahrt für viele Seebesucher einen Konzertgenuss gratis. Am Ankerplatz angelangt, begrüßte Kapellmeister Patrick Siben die Rainauer mit einem „Ahoi Rainau-Buch!“.

Wie letztes Jahr am Ellwanger Kressbachsee, läutete er das Konzert mit dem italienischen Stück „Funiculi – Funicula“ ein. Die Atmosphäre eines Picknicks am Strand zu unterstreichen, verstanden die Musiker mit ihrer Auswahl an Stücken von venezianischen Gondelliedern, bis hin zu mondänen melancholischen Walzern.

Leicht ließ sich nachvollziehen, wie eine Nacht in Venedig sein kann, als das Orchester gleichnamiges Stück von Johann Strauss unverstärkt auf klassischen Instrumenten zum Besten gab. Ganz ohne Frage hatten die Vollblutmusiker beim Konzertieren auf schaukelndem Untergrund genauso viel Spaß wie ihre Zuhörer. Die grandiose Kulisse des Sees wurde von den kreuzenden Segelschiffen, Tretbooten und dem gelbroten Abendlicht eindringlich unterstrichen. Klare Sicht gab es bis zur Kapfenburg.

Wie schon ganz keck zu Anfang angekündigt, machten sich die Musiker beim Anlanden in der Pause über die wohl gefüllten Picknick-Körbe der Zuhörer her. Zuvor hatten sie noch mit der Hymne von Friedrich von Flotow „Die Matrosen“ gegrüßt und verspeisten jetzt eher wie Piraten ausgehungert Heringe in Kräutermarinade, Kuchen und Nudelsalat.

Zwischendrin kassierte der Maestro persönlich den Eintrittspreis – fast so hoch als sei man in Bregenz – ein. Am Ende hatte er Portemonnaie und Magen gefüllt. Nach der halbstündigen Pause wurde wieder gewässert und der im Abendlicht glänzende Vollmond hätte sich sicherlich gerne wie die Zuschauer im Dreivierteltakt gewiegt.

Zum Höhepunkt der romantischen Abendstimmung gab es Peter Tschaikowskis „Schwanensee“. Sicherlich stundenlang hätten die Gäste eingehüllt in Decken und dicken Jacken noch zuhören können. Ist doch so ein Seekonzert ein wirklich einzigartiges Erlebnis mit zauberhaften Ambiente.

Doch mit hereinbrechender Dunkelheit gab Siben das Signal: „Jetzt ist Schluss!“ Zwei Zugaben erklatschten sich die Zuhörer noch, und dann entschwanden die Musiker auf dem Floß, gezogen vom DLRG-Boot am See entlang zur Anlegestelle zurück. Anderthalb Stunden Wassermusik waren etwas knapp bemessen.


© Schwäbische Post 07.08.2017 17:03